Was passiert eigentlich, wenn wir sehen? Diese Frage steht im Mittelpunkt dieses neuen Projekts von Éric Minh Cuong Castaing, Aloun Marchal und Marine Relinger. Auf der Bühne bringen vier sehbehinderte Künstler Tanz und dokumentarisches Erzählen zusammen und verbinden ihre eigenen Lebensgeschichten mit sehr persönlichen Weisen, ihre Körper zu bewohnen. Hören, Tastsinn — alles, das wir normalerweise in den Hintergrund drängen — wird hier zum Ausgangspunkt für Bewegung. Sehende und nicht-sehende Performer führen einander an, in einem Stück, das von Helligkeit durchflutet ist, aber auch breite Schattenbereiche hat — was die Choreografin als die Idee einer „gemeinsamen Geste, feinfühliger gegenüber anderen" zusammenfasst.
Das Stück setzt ein Werk fort, das über mehrere Jahre hinweg in Kontakt mit Kunstorganisationen und anderen Welten, mit Profis und Amateuren gleichermaßen aufgebaut wurde. Zwei Richtungen prägten die Recherche. Auf der einen Seite Contact Dance, bereits zentral für ihre früheren Kreationen: der Wunsch, sehr unterschiedliche Körper, fähig oder beeinträchtigt, zusammenbringen und sich durch Berührung entdecken zu lassen. Auf der anderen Seite Butoh, der japanische Tanz, der ganz auf mentalen Bildern aufgebaut ist: was wird daraus genau in den Händen derer, von denen wir annehmen, dass sie nicht sehen können? Vision verspricht eine Show zu werden, die sich fest dem Licht zuwendet.