Seit die Kollektivgruppe (LA)HORDE 2019 das Ballet national de Marseille übernommen hat, prägt sie den heutigen Tanz mit seltener Energie. Ihre beiden bisherigen Stücke für das Ensemble, Room With a View (2020) und Age Of Content (2023), belegen dies: ein kompromissloses Konzept, bei dem die Gruppe im Zentrum der künstlerischen Arbeit steht. Diese neue Kreation setzt diesen Weg fort — ein beeindruckendes Epos, das das Individuum gegen die Gruppe setzt und einen klarsichtigen, zeitgenössischen Blick auf die Menschheit und unsere Gesellschaften wirft.
Après moi, le déluge klingt wie das Echo einer Welt am Rande des Nichts, gespannt zwischen Erbe und Transgression. Genährt von den Figuren unserer Zeit schärft die Choreographie die charakteristische Sprache des Ensembles, ohne etwas von ihren Grundlagen preiszugeben. Körper und Geste sind im Dienst eines gemeinsamen Kampfes eingesetzt, eines Widerstands, aus dem sich ein Danach vorstellen lässt — ein besseres, ein anderes. Dazu greifen Marine Brutti, Jonathan Debrouwer und Arthur Harel erneut auf spektakuläre Inszenierung zurück: Die Bühne wird zum Resonanzraum einer kraftvollen Ästhetik und versetzt das Publikum in eine außergewöhnliche Erfahrung. Ein kathartisches Stück für zwölf Performerinnen und Performer, das die Grundfesten der Welt erschüttert, in der Hoffnung, dass daraus Freude aufsteigt.